| Eine Vorstellung
über die Muskelmasse, die unsere Wirbelsäule verstrebt, können Sie sich
machen, wenn Sie zum Beispiel ein Schweinerippchen vor sich haben. In etwa
entsprechen die Organe des Hausschweins der Größe nach denen des
Menschen. Bekommen Sie in der Gaststätte ein zu kleines Rippchen
serviert, so sind Sie enttäuscht, zu wenig Masse! Wenn ich die Rücken
meiner Patienten heute anschaue, so ist meine orthopädische Enttäuschung
nicht weniger groß: Zu wenig Muskulatur!
Diese Muskulatur besteht aus drei
Schichten, die unterste nennt man die posturale Muskulatur (postural
heißt lage- bzw. haltungsbedingt), diese Muskulatur ist für die
aufrechte Haltung des Körpers zuständig, sie arbeitet mehr oder weniger
automatisch. Die aufgelagerten Muskelschichten, je weiter man zur
Oberfläche kommt, sind immer mehr dem Willen unterstellt, so stellen die
Muskeln, die vom Körperstamm (Rumpf) auf die Extremitäten (Arme und
Beine) auswirken, die oberste Schicht dar.
Die posturalen Muskeln
unterscheiden sich auch in der Fleischfarbe voneinander (der Truthahn soll
sieben verschiedene Fleischfarben und sieben Fleischsorten haben!). Eine
andere Gruppe nennt man die phasischen Muskeln. Diese haben weniger
statische Halte-, sondern mehr dynamische Bewegungsaufgaben.
Auf unsere Wirbelsäule bezogen,
heißt das, dass die Rückenmuskeln vorwiegend posturale, also statisch
haltende Muskeln, die Bauchmuskeln jedoch phasische und dynamisch
arbeitende Muskeln sind.
Die phasischen Muskeln neigen
eher zum Muskelschwund, die statisch arbeitenden, die posturalen Muskeln,
eher zur Verkürzung.
Das Gleichgewicht zwischen der
Leistungsfähigkeit der phasischen und der posturalen Muskeln muss
gewährleistet sein, um den Menschen im Lot zu halten und um möglichst
wenig Energie zu verbrauchen.
Beim Sitzen ist dieses
Gleichgewicht erheblich verändert. Die Rückenmuskeln sind wesentlich
mehr belastet als die Bauchmuskeln, diese werden bei der falschen
Sitzposition zu wenig gebraucht. Die Folge ist, dass sich die
Rückenmuskeln immer mehr verkürzen, also verspannen, dass die
Bauchmuskeln immer schlaffer werden und zunehmend verkümmern. Ähnliches
passiert mit den Muskeln, die an der Aufrichtung des Beckens beteiligt
sind. Die sogenannten ischiocruralen Muskeln, das sind die Muskeln, die
vom Sitzbeinknorren bis zum Unterschenkel reichen, zählen zu den
posturalen Muskeln, neigen also zu Verkürzung und kippen das Becken durch
ihre Verkürzung noch weiter nach hinten, ihr Antagonist (Gegenmuskel),
der Oberschenkelmuskel, der von der Vorder-Oberkante des Beckens bis zum
oberen Ende des Schienbeins verläuft, ist phasisch, neigt also zum
Schwund.
Um ein muskuläres Gleichgewicht
und damit die Balance des Beckens zu erhalten, muss die phasisch tätige
Bauchmuskulatur gezielt gekräftigt und die verkürzte verspannte
Rückenmuskulatur gedehnt werden.
Die beschriebene ischiocrurale
Muskelgruppe muss gedehnt werden, weil dies posturale Muskeln sind, der
Oberschenkelstreckmuskel dagegen muss gezielt gekräftigt werden. |