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Alexander-Technik und Reiten





Alexander-Technik und Reiten

von Kirsten Fahrenkrog

 

Die Alexander-Technik ist eine Methode, die uns bei allen Tätigkeiten des täglichen Lebens helfen kann. Aber nicht nur Alltagshandlungen, sondern auch viele andere Betätigungen bereiten uns mitunter völlig überflüssige Schwierigkeiten. Jahrelang habe ich solche selbst erzeugten Probleme z.B. beim Reiten erlebt und konnte sie mit noch so viel gutem Willen, mit noch so viel Training, Anstrengung oder Pferdewechsel nur unzureichend lösen.

Auch einige meiner Schüler sind Reiter. Jeder von ihnen weiß - der eine mehr, der andere weniger - von ähnlichen Phänomenen zu berichten. Meistens wissen sie sehr gut, was sie tun sollten, um ihr Reiten zu verbessern. Und manchmal gelingt es sogar für einige - dann oft als Sternstunden erlebte - Augenblicke.

Doch oft ist es schon im nächsten Moment wieder ganz anders, ... schlechter.

Dieses Phänomen ist in der sogenannten klassischen Reiterei weit verbreitet und wird deshalb oft als normal empfunden. Doch es ist nicht "normal" im Sinne von "natürlich" oder unvermeidbar. Es ist allenfalls "üblich". Erfahrungsberichte von Reitern, die andere Wege in der Ausbildung von Reiter und/oder Pferd gegangen sind, zeigen, dass Schmerzen, dauerhafte Schädigungen oder "Kämpfe" zwischen Reiter und Pferd nicht auftreten müssen.

Der herkömmliche Reitunterricht betont Rittigkeit, Durchlässigkeit und Gehorsam des Pferdes weitaus mehr als die Flexibilität des Reiters und die Effektivität seiner Einwirkung. Gerade solche Eigenschaften des Reiters sind es aber, die es dem Pferd überhaupt erst ermöglichen, die reiterlichen Hilfen zu verstehen und anzunehmen. Sitzt der Reiter nicht geschmeidig, stört er das Pferd in all seinen Bewegungen und hindert es so daran, die verlangten Lektionen auszuführen. Die "Korrekturen" setzen dann oft beim Pferd an, obwohl das Pferd sie gar nicht nötig hat.

Aber auch wenn der Reiter (oder sein Reitlehrer) erkennt, dass die Ursache der Schwierigkeiten nicht beim Pferd, sondern beim Reiter liegt, sind mit den herkömmlichen Mitteln oft nur geringfügige Änderungen zu erreichen. Der Reiter weiß oft keinen anderen Rat, als die bekannten Lektionen ständig zu wiederholen. Und der Reitlehrer gibt wieder und wieder die gleichen Anweisungen, von denen er glaubt, dass sie ihm oder anderen schon mal geholfen haben. Es wird jedoch meist nicht näher betrachtet, ob die Zahl der Wiederholungen bestimmter Übungen und Kommandos tatsächlich eine Verbesserung des reiterlichen Könnens herbeiführt.

In der Alexander-Technik werden gerade diese Ursache-Wirkungs-Beziehungen untersucht.

Der Schüler lernt nach und nach zu unterscheiden, welche seiner Gedanken und Handlungen einen Erfolg herbeiführen und welche nicht. Dadurch erhält er die Möglichkeit, seine Erfolgschancen eigenverantwortlich und weitgehend unabhängig von äußeren Einflüssen zu vergrößern. Zur Erreichung dieses Ziels wird der exakten Planung und Ausführung der angestrebten Bewegungen größere Bedeutung beigemessen als dem schnellen "Erfolg" (im Sinne einer gewünschten Ausführung der Lektion durch das Pferd), der sich oft als nicht wiederholbares Zufallsprodukt erweist. Der Schüler lernt, sich selbst so zu steuern, dass er tatsächlich das (und nur das) tut, was er sich vorgenommen hat. Er lernt, überflüssige Anspannung aufzugeben und zusätzliche, oft störende Bewegungen zu unterlassen. Er lernt, konstruktiv zu denken und die von ihm geplanten Handlungen so auszuführen, dass sie seiner Planung entsprechen.

Dies ist eine generelle Schulung. Der Schüler, der diese Vorgehensweise einmal erlernt hat, kann sie auf beliebige andere Bewegungen übertragen und dort entsprechend anwenden. Daher ist es für den Reiter grundsätzlich gleichgültig, ob er die Alexander-Technik im Unterrichtsraum - z.B. bei Tätigkeiten wie Sitzen, Stehen oder Gehen - erlernt, oder ob der Unterricht unmittelbar am oder auf dem Pferd stattfindet. In der Praxis hat sich eine Kombination von beidem für viele Reiter allerdings als nützlich und effektiv erwiesen.

Da weniger komplexe Tätigkeiten (wie z.B. Stehen, Gehen oder das Anheben eines Gegenstandes) es dem Schüler zunächst leichter machen, die neue Art der Vorgehensweise zu erlernen, beginnen viele mit dem Unterricht nicht direkt auf dem Pferd. Nach einigen Stunden, in denen die Grundlagen gelegt werden, wird der Unterricht während des Reitens dann aber als eine sinnvolle Erweiterung empfunden. Denn bestimmte störende reiterliche Einwirkungen zeigen sich eben nur beim Reiten. Man denke dabei z.B. an Sitz- oder Haltungsfehler wie "hochgezogene Absätze", "klemmende Knie", starre Handgelenke, "eingeknickte Hüfte", kitzelnde Sporen, mangelnde Losgelassenheit oder anderes (... die Liste ist beliebig zu verlängern).

Die Alexander-Technik kann bei jeder Art des Reitens hilfreich sein. Nicht nur die Anhänger der klassischen Reiterei erleben beim Reiten Schwierigkeiten und erzeugen einen Teil dieser Probleme selbst, sondern auch Reiter der sogenannten alternativen Reitweisen oder Westernreiter. So befassen sich auch (oder gerade?) manche "alternativen" Reitweisen mit der Alexander-Technik. Manche sind sogar aus der praktischen Erfahrung mit der Alexander-Technik entstanden.

 

Es sind inzwischen auch einige deutschsprachige Bücher erschienen, die sich auf unterschiedliche Weise mit diesem Thema beschäftigen. Stellvertretend für alle seien hier nur zwei erwähnt:

Walter Tschaikowski: Besser Reiten mit der Alexander-Technik

Sally Swift: Reiten aus der Körpermitte, Bd. 1 + 2



 

Krefelder Studio für Alexander-Technik - Letzte A ktualisierung 15.05.2012